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FIG Mitteilungen


September - Oktober 2001 

FIG-Präsenz beim UN-Sondergipfel ISTANBUL + 5 in New York

© Zeitschrift für Vermessungswesen, DVW 4/2001

Teilnehmer des Forums in New York (Robert Foster, Irene Wiese - von Ofen und Holger Magel). 

Viele Leser dieser Zeitschrift haben es sicherlich registriert, dass 5 Jahre nach dem Weltsiedlungsgipfel HABITATII in Istanbul 1996 als eine Art Zwischenbilanz eine UN-Sondervollversammlung im Juni 2001 in New York stattfand. Wie seit dem RIO-Gipfel 1992 üblich haben daran auch zahlreiche "akkreditierte" Nichtregierungsorganisationen teilgenommen und in vielen Beiträgen ihre Kompetenz und Mitwirkungsmöglichkeiten zur nachhaltigen Stadtentwicklung dargelegt. Auch die FIG war beim UNO-Sondergipfel Istanbul+5 hochrangig durch ihre Führungsspitze Präsident Bob Foster, Vizepräsident Prof. Holger Magel und FIG-Direktor Markku Villikka vertreten. Im Gegensatz zu den vorhergehenden unmittelbaren UN-FIG-Veranstaltungen, wie z. B. in Bathurst 1999, war diesmal die FIG als Mitglied des sog. Habitat Professionals Forums präsent. Das interdisziplinäre Forum wurde 1999 auf Initiative der International Federation of Housing and Planning, der International Society of City and Regional Planners, der International Union of Architects, des Centers of African Settlements Studies and Development, des Arab Urban Development Institutes und der FIG gegründet. Für deutsche Kollegen interessant ist der Hintergrund des internationalen Forums: Es wurde ausdrücklich von dem damaligen Executive Director der UN Habitat Behörde UNCHS Prof. Dr. Klaus Töpfer begrüßt und unterstützt. Seine nunmehrige Nachfolgerin Dr. Anna Tibaijuka setzt seinen Kurs fort.

Forum zu secure tenure

Unter der Leitung der Forum's Präsidentin Dr. Irene Wiese von Ofen, die Präsidentin der International Federation of Housing and Planning ist, führte das Habitat Professionals Forum drei Veranstaltungen während der Konferenz der Vereinten Nationen vom 6. bis 8. Juni durch. Die erste widmete sich der "Global campaign for secure tenure" und stand unter Leitung von Frau Dr. Wiese von Ofen. Das einleitende Referat hielt Prof. Holger Magel zum Thema "Access to land and security of tenure as a condition for sustainable development". Teilnehmer dieses ersten Forums kamen vor allem aus Afrika, dem Jemen, Peru, Asien, Osteuropa und vielen anderen betroffenen Ländern teil, die besonders interessiert sind an dem Thema secure tenure. Der Vortrag von Prof. Magel ist sowohl auf der Website der FIG wie auch auf der Homepage seines Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung der TU München nachzulesen. Einmal mehr wurde durch den Vortrag und die nachfolgende Diskussion deutlich, wie wichtig eine gesunde Landadministration und Landmanagement für die Fragen "access to land" und "secure tenure" sind. Gleich wichtig ist aber die richtige Landpolitik! Interessant war, dass es durchaus unterschiedliche Auffassungen über die Frage ‚Eigentum' oder nur ‚Zugang zum Land' gab; während Südafrikas Vertreter leidenschaftlich für die Herstellung sicheren Eigentums plädierten, gaben sich Vertreter z.B. aus Kenia oder Ghana durchaus mit der Herstellung und Garantie eines sicheren Zugangs zu Land zufrieden, da Eigentumserwerb für die armen Leute vielfach gar nicht möglich sei.

The mystery of capital

Da war es natürlich ein besonderer Kontrapunkt, dass am nächsten Tag ‚Shooting star' Hernando de Soto, der ja schon zum FIG-FORUM der INTERGEO 2000 in Berlin eingeladen, aber wegen damaliger politischer Unruhen in Peru verhindert war zu kommen, neuerlich die Position vertrat, dass nur sichere Land titles über Eigentum Garant für Wohlstand und Kapitalismus seien. Er vertrat die Auffassung, wie auch in seinem Buch "The mystery of capital" nachzulesen, dass die Armen genügend Geld hätten, um Land zu erwerben und zu investieren. Unabhängig davon, wer nun Recht hat oder nicht: Es gibt gar keinen Zweifel, dass die Fragen von ‚secure tenure', ‚access to land' ebenso wie ‚access to infrastructure' aus Sicht der Vereinten Nationen und der UN-Behörden wie auch der Weltbank auf absehbare Zeit ein ganz wichtiger politischer und struktureller Aspekt für die angestrebte Weiterentwicklung vieler Länder dieser Welt ist.

Geodäten und Politik

Ebenso keinen Zweifel gibt es, dass die große Familie der Geodäten sich aufgerufen fühlen muss, hier ihren wichtigen Beitrag zu leisten. Dazu muss sie sich - wie die Foren am zweiten und dritten Tag zeigten - mehr mit der Politik befassen! Wie aktuell auch deutsche Stellen der Entwicklungszusammenarbeit dieses Thema sehen, zeigt u.a. die Absicht der GTZ, im nächsten Frühjahr an der TU München zusammen mit der FAO eine mehrtägige Tagung für osteuropäische Länder zum Thema "Land fragmentation and Land consolidation" zu veranstalten. Neuerlich geht daraus hervor, dass Deutschland und deutsche Geodäten noch mehr als bisher sich sowohl in der Hochschulausbildung (gerade auch bezüglich Planung und Partizipation) wie auch im praktischen Einsatz auf diese globale und europäische Situation einstellen müssen. Der Start des neuen Münchner Masterstudienganges "LAND MANAGEMENT AND LAND TENURE IN URBAN AND RURAL AREAS" zum Wintersemester 2001 wird hier zweifellos Rückenwind für diese Bemühungen bringen.

Politik und Finanzen

Die zweite Veranstaltung des Habitat Professionals Forums befasste sich mit dem Thema "Global Campaign for Governance" und die dritte mit der "Relationship between the Global Campaigns for Tenure and Governance with Finance for Development". Es wurde deutlich, dass die "Landfrage" sowohl eng mit der governance- als auch mit der Finanzfrage verbunden ist. Neuerlich wurde beklagt, dass die weltweit bestehenden 70 Katastersysteme viel zu kompliziert und zu teuer sind, um von armen Städten und Ländern bezahlt werden zu können. Neuere low-cost-Systeme sind zu entwickeln und anzuwenden.

Forum auf Rio+10 in Johannesburg

Eine besondere Anerkennung war schließlich die Einladung an die Präsidentin des Habitat Professional Forums Dr. Wiese-von Ofen, vor den Delegierten der UN-Vollversammlung über Ziele und Schritte der im Forum vertretenen Planer, Architekten und Geodäten zu berichten. Über die ermutigende Veranstaltung und Ergebnisse dieses Habitat Professionals Forums soll es in Kürze eine Dokumentation geben; Interessierte werden an den Direktor der FIG Markku Villikka verwiesen. Die Mitglieder des Forums haben inzwischen vereinbart, sich auch auf der Folgekonferenz RIO+10 im nächsten Jahr in Johannesburg aktiv einzubringen. Aus Sicht der deutschen und internationalen Vermessungsszene ist dies nur zu begrüßen, da dadurch die ‚Welt' besser auf die Leistungen unseres Berufs aufmerksam gemacht wird.

FIG Office
10 Januar  2002


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