December 2000
Gemeinsames Seminar der CLGE und der FIG Kommission 2:
Verbesserung der beruflichen Kompetenz
© Zeitschrift für Vermessungswesen, DVW
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Teilnehmer und Organisatoren des Treffens vom 3.
November 2000 am Geodätischen Institut der Technischen Universität
Delft. |
Der Ausbildung der Geodäten in Europa widmete sich eine erste
gemeinsame Veranstaltung des Comité de Liaison des Géomètres Européens
(CLGE) und der FIG. Unter dem Titel "Verbesserung der beruflichen
Kompetenz der Geodäten in Europa" fanden sich am 3. November 2000
rd. 50 Teilnehmer aus 20 Ländern zu dem Seminar am Geodätischen Institut
der Technischen Universität Delft, Niederlande, ein.
Die Veranstalter hatten sich zum Ziel gesetzt, die aktuell in beiden
Vereinigungen geführte Debatte zu erweitern und ein Konzept für die
gegenseitige Anerkennung der beruflichen Qualifikation zu entwickeln.
Bereits seit 1998 gibt es in der FIG eine Task Force on Mutual
Recognition. Ebenfalls 1998 richtete die CLGE eine Arbeitsgruppe zur
Vereinheitlichung der Lehrpläne (Core Syllabus) ein.
In ihrer Einleitung machten Prof. Paddy Prendergast, Präsident der
CLGE, und Prof. Stig Enemark, Chairman der FIG Task Force, die Bedeutung
der Thematik deutlich. Die sich ständig verändernde berufliche Praxis
erfordere immer neue fachliche Fähigkeiten, um sich neue Chancen auf dem
Arbeitsmarkt erschließen zu können. Die Qualifikation der
Hochschulabsolventen hänge wesentlich vom Standard der akademischen
Ausbildung ab. Wegen der durch die zunehmende Internationalisierung neuer
Märkte verstärkt geforderten Mobilität müsse die Kompetenz zu
internationaler Betätigung gefördert werden.
Der angestrebten Diskussion mit den Teilnehmern ging die Vorstellung
erster Ergebnisse zweier Studien voran, die im April diesen Jahres von der
CLGE als Forschungsstipendien vergeben worden waren.
Wie prüft man berufliche Kompetenz?
Frau Dr. Frances Plimmer von der University of Glamorgan, UK, widmete
sich der Entwicklung von Methoden zur Überprüfung der beruflichen
Kompetenz und der Ableitung von Mindeststandards für die einzelnen
Bereiche des Vermessungswesens. Plimmer: Schon bei der Definition des
Berufes zeige sich die Schwierigkeit der Aufgabe. Der Vermessungsberuf
beinhalte einen weiten Bereich von Aufgaben, die in den Ländern in
unterschiedlichem Maße wahrgenommen würden und teilweise auf
verschiedene Berufe verteilt seien. Auch seien die verschiedenen
Tätigkeitsbereiche in den einzelnen Ländern unterschiedlich
reglementiert. Bevor Mindeststandards entwickelt werden könnten, seien
die unterschiedlichen Sparten und ihre Aktivitäten zu identifizieren.
Dann sei zu untersuchen, welche Anforderungen jeweils gestellt würden und
wie die entsprechenden Berufsqualifikationen erlangt werden können. Dazu
würden umfangreiche Informationen von den Berufsorganisationen der
Länder benötigt. Die fachlichen Kompetenzen von Ausbildungsabsolventen
seien dabei leichter zu erfassen als die von Berufspraktikern.
Wie vermittelt man berufliche Kompetenz?
Dies zeigt sich auch im sog. Allan Report, den Prof. Allan vom
University College in London 1996 im Auftrag der FIG vorlegte und der
Prof. Hans Mattsson von der Stockholm Technical University, Schweden, als
Grundlage für seine Untersuchung der universitären Ausbildungsinhalte
dient. Die dort vorgenommene Kategorisierung des Lernstoffes decke sich
nicht mit der der praktischen Berufsausübung. Dies erschwere einen
direkten Vergleich, welche Studienqualifikationen für welchen
Tätigkeitsbereich benötigt werden. Auch die Tiefe der vermittelten
Informationen korrespondiere nicht unbedingt mit den Anforderungen des
Arbeitsmarktes. Hinsichtlich einer Vereinheitlichung der Ausbildung warf
Mattsson die Frage auf, ob die Ausbildung auf den "kleinsten
gemeinsamen Nenner" reduziert werden solle oder ob Länder mit einem
breiteren Fächerkanon Vorbild sein sollten. Hierzu sollten vertiefende
Untersuchungen zum Verhältnis von Ausbildung und beruflicher Praxis
durchgeführt werden. Parallel zu Netzwerken der Berufsorganisationen
sollten sich auch die Universitäten zusammenschließen, um voneinander
lernen zu können.
Welche Kompetenzen zählen?
In einem dritten Beitrag nahm Rob Ledger von der Royal Institution of
Chartered Surveyors in Großbritannien eine kritische Haltung gegenüber
einer Vereinheitlichung der universitären Ausbildung ein. Die Vielfalt
der Ausbildungssysteme und die Verschiedenheit der Märkte erschwerten die
Umsetzung eines allgemeinen Standards. Die Arbeitsgruppe der CLGE zur
Entwicklung eines Core Syllabus habe früh herausgefunden, dass zwei
Punkte nur schwer zu überwinden seien. Dies sind zum einen
unterschiedliche Lehransätze: In manchen Ländern, wie zum Beispiel
Dänemark, liegt der Schwerpunkt der Überlegungen über die Gestaltung
der akademischen Ausbildung weniger auf den konkreten Lehrinhalten als auf
den vermittelten Kompetenzen. "Input versus output approach"
titelte daher auch Rob Ledgers Beitrag. Zum anderen werde der Nachweis des
erreichten Kompetenzniveaus in den einzelnen Ländern unterschiedlich
gehandhabt. Während zum Beispiel in Großbritannien eine Akkreditierung
der Ausbildungsstellen nach einheitlichen Kriterien vorgenommen werde,
obliege die Überprüfung des Ausbildungsstandards andernorts den
Universitäten selbst - und schlussendlich dem Arbeitsmarkt. Und auch der
ist, wie bereits Dr. Plimmer festgestellt hatte, in den Ländern Europas
sehr unterschiedlich. Das Core Syllabus-Projekt sei daher zu dem Ergebnis
gekommen, dass das erklärte Ziel, die Mobilität von Fachkräften zu
fördern, weniger durch eine Vereinheitlichung der Curricula zu erreichen
sei als durch deren stärkere Ausrichtung an den Erfordernissen des
Marktes. Denn schlussendlich seien für die Einsetzbarkeit akademisch
gebildeter Fachkräfte nicht nur die technisch-wissenschaftlichen
Fähigkeiten ausschlaggebend, sondern vielmehr auch Wirtschaftskenntnisse
und Führungskompetenzen.
Prof. Bertold Witte, Delegierter des DVW auf dieser Veranstaltung,
hierzu: "In den bisherigen Studien- und Prüfungsordnungen der
deutschen Ausbildungsstätten wird dieser Forderung bisher relativ wenig
Beachtung geschenkt. Ein Grund mehr, die europaweiten Entwicklungen
besonders aufmerksam zu verfolgen."
FIG Office
19 Januar 2001 |